Metakognition: Der Moment, in dem ich mich selbst bemerke
Metakognition: Sich selbst verstehen bei Stress, Emotionen und in Beziehungen
In stressigen Situationen oder in Beziehungen reagieren wir oft schneller, als wir bewusst denken können. Der Körper spannt sich an, Gefühle werden intensiver, Worte werden gesagt – oder bleiben unausgesprochen. Erst im Nachhinein fragen wir uns:
Warum habe ich so reagiert?
Ein zentraler Schlüssel, um diese inneren Zusammenhänge besser zu verstehen, ist Metakognition.
Was bedeutet Metakognition?
Der Begriff Metakognition geht auf den Psychologen John H. Flavell zurück. Vereinfacht bedeutet er:
Metakognition ist das Wissen über die eigenen inneren Prozesse – und die Fähigkeit, mit ihnen umzugehen.
Oder anders gesagt:
Ein Teil von mir erlebt – ein anderer Teil nimmt dieses Erleben bewusst wahr.
Die zwei Seiten der Metakognition
Metakognitives Wissen – mich selbst besser kennenlernen
Metakognitives Wissen beschreibt das Verständnis dafür,
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wie ich unter Stress reagiere,
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welche Emotionen mich besonders fordern,
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wie ich mich in Beziehungen verhalte,
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und welche Muster sich immer wieder zeigen.
Beispiele aus dem Alltag:
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„Unter Druck werde ich schnell gereizt.“
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„In Konflikten ziehe ich mich innerlich zurück.“
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„Bestimmte Worte treffen mich besonders stark.“
Dieses Wissen hilft, sich selbst nicht zu verurteilen, sondern sich zu verstehen.
Metakognitive Regulation – mit mir selbst umgehen können
Der zweite Teil der Metakognition beschreibt die Fähigkeit, innere Prozesse rechtzeitig wahrzunehmen und zu steuern:
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innehalten,
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überprüfen,
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bewusst reagieren.
Ein einfaches Beispiel:
Beim Lesen merke ich: „Ich habe den Absatz gelesen, aber nicht verstanden.“
→ Ich lese ihn noch einmal oder ändere meine Strategie.
Im Alltag bedeutet das zum Beispiel:
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„Ich merke, dass mein Körper gerade sehr angespannt ist.“
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„Ich spüre, dass meine Emotionen gerade die Führung übernehmen.“
Allein dieses Wahrnehmen schafft oft schon Entlastung.
Beobachtet sich das Gehirn wirklich selbst?
Nicht im wörtlichen Sinn – aber funktionell ja.
Unser Gehirn verfügt über Bereiche, die andere Prozesse überwachen und bewerten. Sie melden, wenn etwas nicht stimmig ist, zum Beispiel durch innere Unruhe, Spannung oder Zweifel.
Metakognition hilft, diese Signale einzuordnen, statt von ihnen überrollt zu werden.
Metakognition ist mehr als Bewusstsein
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Bewusstsein bedeutet: Ich habe Gedanken und Gefühle.
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Metakognition bedeutet: Ich erkenne, wie diese Gedanken und Gefühle mein Verhalten beeinflussen.
Ein Beispiel:
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Bewusstsein: „Ich bin wütend.“
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Metakognition: „Ich merke, dass meine Wut gerade aus Überforderung entsteht – und dass ich sonst Dinge sage, die ich später bereue.“
Gerade in Beziehungen macht dieser Unterschied einen großen Unterschied.
Metakognition bei Stress
Unter Stress schaltet unser Nervensystem schnell auf „Überleben“. Denken wird enger, Reaktionen werden automatischer.
Metakognition schafft einen kleinen, aber entscheidenden Abstand:
Ich bin im Stress – ich bin nicht der Stress.
Das ermöglicht:
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frühere Wahrnehmung von Überforderung,
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bewusstere Pausen,
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einen freundlicheren Umgang mit sich selbst.
Metakognition bei starken Emotionen
Emotionen sind nicht das Problem. Problematisch wird es, wenn wir sie erst bemerken, wenn sie uns bereits steuern.
Metakognition hilft dabei,
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Gefühle früher wahrzunehmen,
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ihre Funktion zu verstehen,
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und sie auszudrücken, ohne sich selbst oder andere zu verletzen.
Sich selbst zu verstehen ist kein rein gedanklicher Prozess. Viele deiner Reaktionen entstehen im Körper – lange bevor du sie bewusst einordnen kannst. Genau hier setzt körperzentrierte psychologische Beratung an.
In meiner Arbeit geht es darum, gemeinsam wahrzunehmen, was in dir geschieht, wenn Stress entsteht, Emotionen stärker werden oder Beziehungen herausfordernd sind. Durch das bewusste Spüren und Verstehen dieser inneren Zusammenhänge wird Metakognition erlebbar – nicht als Theorie, sondern als Erfahrung.
So entsteht Schritt für Schritt mehr Klarheit, innere Ruhe und Handlungsspielraum. Nicht, weil etwas „weg“ muss, sondern weil es verstanden werden darf.
